Schutzfristen für Fotos

Je nach Qualifizierung der Fotos laufen unterschiedlich lange Schutzfristen.

Das deutsche Recht unterscheidet zwischen Lichtbildern und Lichtbildwerken. Um ein Lichtbildwerk handelt es sich, wenn die Fotografie eine gewisse „Schöpfungshöhe“ aufweist. Schöpfungshöhe liegt immer dann vor, wenn die Fotografie ein gewisses Maß an Individualität und persönlicher geistiger Schöpfung hat.

Handelt es sich bloß um ein alltägliches Bild (z. B. aus dem Privatbereich) hat dieses keine ausreichende Schöpfungshöhe und es liegt dann kein „Werk“ im Sinne des Urhebergesetzes vor und damit auch kein Lichtbildwerk. Solche Fotografien werden als Lichtbilder bezeichnet.

Das Urheberrecht von Lichtbildwerken erlischt 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers. Das Recht an Lichtbildern erlöscht hingegen 50 Jahren nach der Herstellung des Bildes. Wird das Lichtbild innerhalb dieser 50 Jahre (rechtmäßig) veröffentlicht, dann endet die Schutzfrist erst 50 Jahre nach der Veröffentlichung. Alle Fristen beginnen mit dem Ablauf des Kalenderjahres, in dem das für den Beginn der Frist maßgebende Ereignis eingetreten ist, zu laufen.

Beispiele:

– Ein Lichtbildwerk wird erstellt (Zeitpunkt egal). Der Urheber des Lichtbildwerkes verstirbt im Jahr 2017. Die Schutzfrist endet am 31. Dezember 2088.

–  Ein Lichtbild wird im Jahr 2011 erstellt. Es wird niemals veröffentlicht. Die Schutzfrist endet am 31. Dezember 2052.

– Ein Lichtbild wird im Jahr 2011 erstellt. Es wird im Jahr 2030 veröffentlicht. Die Schutzfrist endet am 31. Dezember 2081.

Hinweis: Die oben stehenden Informationen stellen keine rechtliche Beratung dar und dienen nur der allgemeinen Information.

Die Autorin Ronja Erb ist Rechtsanwältin und Kommunikationsberaterin.

Kurzprofil: Hier berichte ich seit mehr als 10 Jahren über meine beiden Lieblingsthemen: Fotos und verkaufen! Gestartet habe ich mit einer einfachen Anleitung für Fotoverkäufer. Ich berichte ausserdem über Bildagenturen, Bildagentur-Software, Webshop-Systeme für Fotografen und alles womit Sie Ihre Fotos verkaufen können. Mein Stock Photo Press Verlag betreibt weitere Internetseiten zum Thema Fotos kaufen und Microstock. Seit 2011 veranstalten wir ausserdem die Bildagentur-Messe MicrostockExpo.

5 Comments
  1. Reply
    Holgs 17. Januar 2011 at 18:29

    Who decides whether an image attains sufficient „Schöpfungshöhe“?

    Thanks for the article… very interesting!

  2. Reply
    Uwe Landgraf 17. Januar 2011 at 21:27

    Interessant

    Allerdings finde ich, wie mein Vorschreiber, den Aspekt „Schöpfungshöhe“ wichtig. Wer entscheidet darüber? Vermutlich werden nachträglich hierüber die Gerichte entscheiden müssen.

    Allerdings sollte man nicht darüber spekulieren, was event. in 2050 der 2080 deutsches Recht ist

    lg Uwe

  3. Reply
    Ronja Sebode 20. Januar 2011 at 14:25

    Der Begriff der Schöpfungshöhe ist weder im Gesetz definiert, noch gibt es in der juristischen Literatur oder Rechtsprechung fest umrissene Kriterien dafür. Ob etwas Schöpfungshöhe hat, muss daher im Einzelfall geprüft werden. Es werden aber keine sehr hohen Anforderungen daran gestellt, so kann zum Beispiel schon die Auswahl eines bestimmten Bildausschnittes dazu führen, dass Schöpfungshöhe erreicht wird.

  4. Reply
    Navi 21. Januar 2011 at 17:00

    ist die mathe irgendwie falsch? das recht von lichtbildwerken dauert 70 jahre. „Der Urheber des Lichtbildwerkes verstirbt im Jahr 2017.“ Na, dann ab Jahr 2018 ist 18 + 70 = 88.

    Die Schutzfrist endet dann am 31. Dezember 2088.

  5. Reply
    Ronja Sebode 21. Januar 2011 at 17:51

    Ja, ist ein Tippfehler, muss 31. Dezember 2088 heißen, habe es gerade korrigiert. Danke für den Hinweis.

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