Adobe übernimmt Fotolia – Hintergründe und Auswirkungen auf Anbieter

 

Wie am Donnerstag bekannt wurde, hat der Photoshop-Hersteller Adobe die Übernahme der bekannten Bildagentur Fotolia beschlossen. Die Übernahme soll im ersten Quartal des nächsten Jahres vollzogen werden, Adobe plant die Integration eines Angebotes in ihre Creative Cloud Lösung, Fotolia bleibt jedoch auch eigenständig als Bildagentur bestehen. Für den Kauf bezahlt Adobe insgesamt ca. 800 Millionen US-Dollar in bar.

Die Hintergründe der Übernahme

Fotolia erhielt vor knapp drei Jahren eine Finanzspritze durch das amerikanische Investment-Unternehmen KKR in Höhe von 150 Millionen Dollar. Diese Investitionen haben üblicherweise Laufzeiten von 3 bis 5 Jahren. Es war im Markt also bereits spekuliert worden, dass im nächsten oder dem darauf folgenden Jahr eine Änderung in der Eigentümer-Struktur bei Fotolia stattfinden könnte. Nach dem erfolgreichen Börsengang von Shutterstock im vergangenen Jahr wäre natürlich auch ein Gang an die Börse eine Option gewesen. Angesichts der bisher aber weiter eher bescheidenen Erfolge und dem geringen Bekanntheitsgrad von Fotolia in den USA wäre ein Börsengang möglicherweise nicht annähernd so erfolgreich geworden. Ein Verkauf der Anteile an einen neuen Finanzinvestor wäre natürlich eine alternative Lösung gewesen. Als andere „Exit-Strategie“ für den Investor war aber auch immer ein Verkauf an ein anderes Unternehmen eine Option. Die grösseren Agenturen wie Getty, Corbis oder Shutterstock wären wohl ebenfalls Kandidaten für eine Übernahme von Fotolia gewesen.

Adobe von der Software-Box zum Abo-Modell

Adobe wiederum ist nun nach zwei Jahren einer harten Umstrukturierung relativ erfolgreich mit ihrem neuen Geschäftsmodell: Statt früher einzelner Softwarepakete und Upgrades zu verkaufen, finanziert sich das Unternehmen heute zu einem großen Teil durch monatlich wiederkehrende Mietzahlungen, genannt Creative Cloud, für ihre Produkte, die nach wie vor marktführend in den Bereichen Fotografie und Design sind. Mit ihren Produkten ist Adobe in praktisch allen kreativen Bereichen vertreten und hat nun direkten und regelmässigen Zugang zu über drei Millionen Kunden, darunter natürlich auch viele Grafiker, Layout-Abteilungen und Werbeagenturen.
Zur Umsatzsteigerung kann Adobe nun also zwei Strategien verfolgen: Einerseits die Vergrösserung des Kundenstammes, andererseits aber auch die Möglichkeit, den bestehenden Kunden zusätzliche Produkte zu verkaufen. Mit ihrem Behance-Produkt bietet Adobe bereits Kreativen die Möglichkeit zur Erstellung von Portfolio-Seiten, und für die Adobe-Produkte gibt es bereits einen florierenden Markt von Zusatzprodukten wie Lightroom-Presets, Photoshop-Actions, Fonts oder eben auch Stockbildern für Designs. Eine Erweiterung in diese verwandten Geschäftsfelder ist daher eine logische Konsequenz.

Welche Auswirkungen hat die Übernahme auf Anbieter

Für die weiteren Folgen der Übernahme stehen natürlich noch keine harten Fakten zur Verfügung. Es gibt lediglich einige Andeutungen, und wir können über die Folgen nur spekulieren.

Stärkung von Fotolia auf dem Amerikanischen Markt

Zunächst können wir festhalten, dass Fotolia auf dem amerikanischen Markt trotz mehrerer Versuche nie sonderlich erfolgreich gewesen ist. Der Markt ist weitgehend zwischen den Konkurrenten iStock und Shutterstock aufgeteilt, während Fotolia insbesondere in Europa eine sehr gute Infrastruktur und Position hatte. Mit der Übernahme durch Adobe hat Fotolia nun sehr gute Chancen, auch bei amerikanischen Kunden bekannt zu werden. Immerhin hat Adobe inzwischen mehr als 3,4 Millionen Abonnenten für ihre Creative Cloud Produkte, ein grosser Teil davon in Übersee.

Das All-Inklusive Abo von Adobe wird wahrscheinlich kommen

Für Adobe wiederum ist Fotolia kein übermässig großer Teil ihres Geschäftsmodells. Sie stellen Software her und vertreiben diese (wie Lightroom sowie Photoshop und Premiere Elements) als Kaufprodukte. Für die umfangreicheren Produkte wie Photoshop, Illustrator oder InDesign hat Adobe jedoch einen Schritt vom einmaligen Verkauf zur monatlichen Miete vollzogen, der inzwischen weit fortgeschritten und erfolgreich ist. Im Gesamtgefüge der Produkte wird Fotolia mit geschätzten 2-3 Prozent des Umsatzes ein kleiner Bestandteil sein. Das bedeutet auch, dass Adobe wohl keinen dringenden Bedarf hat, das Geschäft von Fotolia an sich umzustrukturieren oder wesentlich zu verändern.
Dagegen bietet sich die Chance, mit dem Angebot von Fotolia innerhalb des Kerngeschäftes eine zusätzliche Einnahmequelle zu erschliessen: Beispielsweise könnte die Cloud-Lösung – die im Gesamtpaket rund 70 Euro monatlich kostet – eine kleine Anzahl von Bilder-Downloads beinhalten. Und für einen kleinen zusätzlichen Betrag – vielleicht in der Grössenordnung von 10-30 Euro monatlich – liessen sich dann zusätzliche Downloads hinzukaufen. Es wäre für Adobe eine Möglichkeit, auf ihrem bereits bestehenden Produkt und Kundenstamm zusätzliche Umsätze zu generieren. Dieser Schritt macht wirtschaftlich durchaus Sinn.

Neue Kunden für Fotolia-Anbieter

Für Anbieter würde dies vermutlich bedeuten, dass hierdurch ein neuer, zusätzlicher Kundenstamm entsteht, der allerdings wahrscheinlich überwiegend im Bereich der Abo-Downloads neue Verkäufe erzeugt.

Es lässt sich natürlich auch schlussfolgern, dass ein gewisser Anteil der Adobe-Kunden bereits Bilder von anderen Bilddatenbanken bezieht. Dadurch würde es dann möglicherweise in einem gewissen Ausmass nicht zu zusätzlichen Kunden, sondern zu einer Verschiebung von anderen Bildagenturen wie iStock und Shutterstock zu Fotolia hin kommen. Dies könnte für nicht-exklusive Anbieter zu einer Nullsummen-Rechnung führen – was an einer Stelle gewonnen wird, wird an anderer verloren. Wer als Anbieter eher viele Credit-Verkäufe hat könnte eventuell schlechter dastehen, wer mehr Abo-Downloads hat eher besser.

Der Ausblick – Eher positiv!

Insgesamt beurteilen wir die Übernahme jedoch eher positiv: Adobe hat eine starke Verankerung in der kreativen Gemeinschaft. Anders als ein reiner Finanzinvestor oder ein Gang an die Börse wird der Druck auf Fotolia dadurch nicht übermässig steigern. Zudem kann Adobe sich aus Image-Gründen nicht unbedingt erlauben, Entscheidungen mit all zu negativen Konsequenzen für Anbieter zu fällen, denn auch ein großer Anteil dieser sind Kunden der Software-Schiene des Unternehmens.

Was halten Sie von der Übernahme? Eher positiv oder negativ? Einfach einen Kommentar hinterlassen.

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