Bericht über die iStockalypse in Mailand

Fotoshooting in Mailand – kurz nach der weltberühmten Modewoche – das ist etwas was sich (fast) jeder (Stock) Fotograf einmal wünscht. iStockphoto hat mehr als 32 exklusive Fotografen, Illustratoren und Videographen, 64 Shootings und 20 Modells zu einer sog. iStockalypse in Mailand eingeladen. Das tolle daran, Models, Locations, Themen, Licht und alles drumherum werden von iStock organisiert und stehen den Fotografen zur Verfügung. Die Fotografen müssen nur die Kosten für die Reise und das Hotel selbst tragen.

Die Fotografen schießen jeden Tag etwas anderes, da ging es einmal in das tolle 10WATT Studio Loft in Mailand-Mitte, an einem anderen Tag werden Editorial Fotos auf den Straßen von Mailand geschossen und dann gab es noch Fotosessions in Lecco am Comer See, und in der Altstadt von Bergamo (bei der wir dabei sein durften), gekrönt wird das ganze Event dann mit einer Party, auf der die besten Bilder ausgezeichnet werden.

Amos Struck und Kelly Thompson Getty Images / iStockphoto

Kelly Thompson (SVP, Product Development Getty Images) (rechts) und Amos Struck (links) im Interview

Wir waren diesmal für 2 volle Tage Vor-Ort und durften nicht nur Kelly Thompson (folgt später) interviewen, sondern auch hinter die Kulissen der iStockalypse 2011 in Mailand schauen.

Der erste Tag – Shooting im 10WATT Studio-Loft in Mailand-Mitte

iStockalypse 2011 Mailand - 10Watt Studio

iStockalypse 2011 Mailand – 10Watt Studio

Wuselnde iStock Mitarbeiter bereiten die jeweiligen Shootings, das Licht und das Setup vor. Es werden Model Releases unterschrieben, die Models werden von „Übersetzern“ auf Italienisch gebrieft, die Kleidung und die Accessoires werden auf Logos geprüft, es wird noch etwas Puder oder Schminke aufgetragen und dann geht es los.

Videodreh mit Model auf der iStockalypse

Die Fotografen dürfen ihre eigenen Ideen umsetzen und haben zwischen 20 und 40 Minuten Zeit. Danach wird das Set für den nächsten Fotografen umgebaut und es kann in einem anderen Raum weitergehen.

Der Shooting Masterplan

iStock hat einen genauen (Master)Plan wer wann mit wem wo shootet – so weiß jeder immer was genau zu tun ist. Das schöne dabei, man hilft sich untereinander, manchmal als Model, oft beim Licht halten, Lampen rumschieben oder einfach, indem man Tipps & Tricks weitergibt, die man selbst auf einer iStockalypse gelernt hat.

Besprechung der Szene mit Models und Lichthalter

Dieses Mal wurden zum ersten mal auch Illustrationen und Video-Footage erstellt. Die neuen DSLR-Kameras erlauben ja hochauflösende Videos im Kinostil und für die Illustratoren reicht meistens ein Skizzenbuch. Die gezeichneten „Illustrationen“ werden dann gescannt und anschliessend per Hand am Computer nachgemalt.

Einige Illustratoren haben mir erzählt, dass die iStockalypse Events ihnen dabei geholfen haben, selbst mit dem Fotografieren anzufangen. Viele Fotografen fotografieren ausserdem Themen, die sie sonst allein nicht schießen (können) würden.

Fotos vom iStockalypse Shooting im 10WATT Studio

Ein Teil des 10Watt Studios

Ein Teil des 10Watt Studios

Sponsor Canon war mit eigenem Service Vor-Ort

Hier soll wohl eine typische Situation aus Italien dargestellt werden

Die Fotografen kommentieren das Shooting

Bio und Grün ist als Thema groß im Kommen

Video-Rig

Jürgen (Sacks) im Gespräch mit Ellen und Daniel (DigitalPhoto)

Draußen ist da, wo „Dolce Vita“ ist!

Romantische alte italienische Städte, Espresso an einer Kaffeebaar, flanieren mit Frau und Kind, tolles italienisches Eis – das stellt man sich vor wenn man von „Dolce Vita“ spricht.

Pizza in Bergamo

Genau diese italenische Lebensgefühl wollte iStock mit den Outdoor Shootings in Lecco und Bergamo einfangen.

Gasse in Bergamo

Gasse in Bergamo

Früh (7:15 Uhr) ging es mit einer der Gruppen und unserem gesamten Equipment los. Großes Händeschütteln und Gegenseitig-Vorstellen (man spricht sich immer mit iStock Usernamen an), es werden die Fotos vom letzten Tag herumgezeigt (auf einem iPad natürlich) und abgesprochen wer wem assistentieren wird. Unsere Gruppe ist bunt gemischt und besteht aus Spaniern, Kubanern, Deutschen, Franzosen, Engländern, Korsen! und Russen.

Kann man von Microstock leben?

Die meisten der Fotografen verdienen ihren Lebensunterhalt mit der Microstock Fotografie, andere betreiben das nur nebenbei als einträgliches Hobby. Dabei haben die meisten nicht nur einen eigenen Stil entwickelt, sondern sich meist auf ein bestimmtes Thema, eine Nische, spezialisiert.
Beispielsweise macht Marco (Portfolio von Marco bei iStock) viele Fotos von Skifahrern, Bergen und alles was sich um seinen Wohnort herum findet. Besonders interessant dabei, er hat kaum Kosten bei der Produktion. Seine Freunde stellen sich als Model zur Verfügung und den Schnee und die Berge gibt es sowieso kostenlos dazu. Seine Ausrüstung ca. 4-5Kg muss er aber trotzdem alleine auf den 1500, hohen Berg schleppen.

Ich habe mich ausserdem mit Jürgen unterhalten, der lange in Tokio gelebt hat. Er hat damit gestartet das er Fotos von Tokio zum Verkauf bei iStock eingestellt hat. Damals waren Fotos von Tokio recht selten und wie sein eindrucksvolles Portfolio zeigt hat er bis heute mit seinen Bildern Erfolg.

Das etwas andere Urlaubsfoto

In Bergamo angekommen werden die Models eingesamelt und Verabredungen getroffen wer wem bei seinem Shooting assistiert.

Models in Bergamo

In kleinen Gruppen durchstreifen wir (Alt-) Bergamo auf der Suche nach Fotomotiven, die sich verkaufen lassen. Die vielen Touristen stören selbst bei den Shootings mit den Models kaum. Natürlich sind wir selbst auch ein beliebtes Fotomotiv, von den Models mal gar nicht zu sprechen. Für die Fotografen, die eingeteilt sind, geht es ums ganze. Mit den Fotos will schließlich Geld verdient werden, die Ausgaben für die Reise sollte man schon zurückverdienen.
Jeder hat sich ein anderes Konzept überlegt und versucht dieses so schnell und professionell wie möglich umzusetzen. Es werden Szenen gestellt, Models sitzen mitten in einer engen Gasse, Touristen schieben sich fotografierend vorbei, Models rennen wie auf der Flucht durch jahrundertealte Torbögen oder lehnen als verliebtes Paar an urigen Hauswänden. Das Licht, der Blitz, der Blick und auch die Umgebung muss 100% stimmen, sonst werden die Bilder von iStockphoto nicht angenommen. Die Stock Fotos aus den iStockalypsen müssen, wie alle anderen Fotos, auch die strengen Augen der Inspektoren passieren.

Model in einer Gasse in Bergamo

 

Alle helfen mit für das richtige Licht

Auf der Rückfahrt ins Hotel sind die meisten Fotografen glücklich aber erschöpft. Die meisten nutzen die Zeit für ein kurzes Nickerchen bevor es zum großen Finale der iStockalypse geht.

Finale – die iStockalypse Party

Es bleibt wenig Zeit bis die offizelle Abschlussparty anfängt. Für jeden gibt es einen Cocktail/Getränk gratis. Das Buffet steht schon bereit und dann wird ein Resume gezogen, Mitarbeitern gedankt, neue Inspektoren ernannt und natürlich Fotos gezeigt.

Essen auf der Final-Party

Jeder Teilnehmer konnte einige seiner besten Fotos einreichen, die gemeinsam mit dem iStockphoto Usernamen (mit dem sich die Fotografen meist auch ansprechen) gezeigt werden. Je nach Bekanntheit der Namen bricht schon mal Jubel aus, Fotos werden beklatscht und Leuten auf die Schulter geklopft. Es ist erstaunlich, was Stockfotografen in der Kürze der Zeit an hochqualitativen und beeindruckenden Fotos schießen können.
Es werden die besten Fotos gewählt und für das beste Foto erhält der Fotograf eine von Canon gesponserte Canon 7D (der Fotograf fotografiert aktuell mit Nikon ;-)).
Noch ein paar Kontakte knüpfen, Cocktails trinken und dann ist um 1 Uhr leider schon

[ Update ] – Video zur iStockalypse von ZoneCreative

Fazit zur iStockalypse 2011 in Mailand

Viele Fotografen beklagen sich heute, dass sie von Ihren Bildagenturen nicht so gut unterstützt werden. Dabei könnte es so einfach gehen, iStockphoto macht es mit der iStockalypse vor. Fotografen möchten gerne gemeinsam Fotos schießen, sich weiterbilden, Spass haben und einfach die Gemeinschaft genießen. Für viele exklusive Fotografen ist dies ein Grund bei iStockphoto zu bleiben, selbst wenn die Honorare auch hier gekürzt wurden. Interessanterweise habe ich keinen Fotografen getroffen, der sich über die Honorarkürzung beschwert hat, den meisten war es einfach nur wichtig dabei zu sein und tolle Fotos zu schießen.
Für iStockphoto scheint sich der Aufwand für die iStockalypse zu lohnen, im nächsten Jahr sind bereits neue Veranstaltungen geplant. Ausserdem werden lokale Fotografentreffen sog. Minilypse eingeführt. Wer das nächste Mal bei einer iStockalypse dabei sein will, sollte sich schnellstens mal als exklusiver Contributor bei iStock registrieren – vielleicht wird er das nächste Mal auch dazu eingeladen.

Kurzprofil: Hier berichte ich seit mehr als 10 Jahren über meine beiden Lieblingsthemen: Fotos und verkaufen! Gestartet habe ich mit einer einfachen Anleitung für Fotoverkäufer. Ich berichte ausserdem über Bildagenturen, Bildagentur-Software, Webshop-Systeme für Fotografen und alles womit Sie Ihre Fotos verkaufen können. Mein Stock Photo Press Verlag betreibt weitere Internetseiten zum Thema Fotos kaufen und Microstock. Seit 2011 veranstalten wir ausserdem die Bildagentur-Messe MicrostockExpo.

2 Comments
  1. […] und, wie könnte es anders sein, auch über Yuri Arcurs und sein unverwechselbaren Stil. Wer den Bericht über die iStockalypse 2011 in Mailand noch nicht gelesen hat, kann das hier jetzt […]

  2. […] Die iStockalypse fand bereits in verschiedenen Städten in aller Welt statt, darunter Seattle, Buenos Aires, Marseille, Calgary und letztes Jahr in Mailand (wir berichteten). […]

Hinterlasse einen Kommentar